Newsletter Chinahirn - Ausgabe 36 / Januar 2022

Wolfgang Hirn skizze rund

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„Asien- und China-Kompetenz wollen wir deutlich ausbauen.“ Wie oft habe ich diesen Satz – so oder so ähnlich - schon gelesen und gehört. Jetzt taucht er wieder im Koalitionsvertrag der neuen Regierung auf. Wie schön, aber auch wie frustrierend. Denn zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft seit Jahren eine große Lücke. An den deutschen Schulen stagniert die Zahl der Schüler, die Chinesisch lernen, bei rund 5000. In Fächern wie Geschichte, Geographie oder Politik findet China meist nicht statt. Es mangelt an Curricula und Lehrkräften. An den deutschen Universitäten geht die Zahl der Sinologie-Studenten zurück. Wer will sich schon mit einem Land beschäftigen, das permanent als böser Drache dargestellt wird? Aber wäre es nicht gerade die Aufgabe der Bildungseinrichtungen hierzulande, dieses klischeebeladene Bild zu korrigieren, ohne Schönfärberei zu betreiben? Auch außerhalb des staatlichen Bildungssektors wird relativ wenig zur Aufklärung über China beigetragen. Die politischen Stiftungen halten sich zurück. Die Heinrich-Böll-Stiftung ist nahezu ein Totalausfall. Am aktivsten ist noch die Konrad-Adenauer-Stiftung. Bei den privaten Stiftungen hat sich die einst aktive Robert Bosch Stiftung komplett von China verabschiedet. Die Bertelsmann Stiftung war auch schon mal aktiver. Lobenswert ist allein das Engagement der Stiftung Mercator, die das Merics anschubfinanziert und das Bildungsnetzwerk China initiiert hat. Bleiben noch die Konfuzius-Institute als Wissensvermittler. Aber denen trauen viele nicht, weil sie vom chinesischen Staat co-finanziert sind. Einer der lautstärksten Kritiker dieser Institute war bislang der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg. Genau dieser Brandenburg ist nun Parlamentarischer Staatssekretär im Bildungs- und Forschungsministerium. An dieser exponierten Stelle kann er nun beweisen, dass er nicht nur gegen etwas ist, sondern auch für etwas sein kann – zum Beispiel für die Umsetzung des Satzes: „Asien- und China-Kompetenz wollen wir deutlich ausbauen.“ 

Im Westen geht das Jahr zu Ende. Ich wünsche allen Abonnenten und Lesern ein erfolgreiches und vor allem gesundes Neues Jahr - versehen mit einer Prise Hoffnung, dass man spätestens Ende nächsten Jahres vielleicht wieder nach China reisen kann.

Wolfgang Hirn

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