Newsletter Chinahirn - Ausgabe 40 / März 2022

Wolfgang Hirn skizze rund

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Nein, das Verhältnis zwischen dem Bären und dem Drachen – sorry für diese Klischee – ist keine Liebesbeziehung, sondern war und ist eine Zweckgemeinschaft, wirtschaftlich wie politisch. Russland und China ergänzen sich ökonomisch nahezu ideal. Russland hat im Überfluss, was in China Mangelware ist: Gas, Öl, andere Rohstoffe und Waffen. China kann wiederum den Russen Waren anbieten, die die russische Wirtschaft aufgrund ihrer einseitigen Ausrichtung auf Rohstoffe nicht in ausreichendem Maße produziert: Konsumgüter aller Art. Politisch kamen sich die beiden riesigen Nachbarländer näher, weil sie von der westlichen Führungsmacht USA (aber auch zunehmend von den Europäern) als feindliche Mächte oder - etwas milder ausgedrückt - als systemische Rivalen deklariert wurden. Der 93jährige SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi schreibt in seinem altersklugen und analytischen Buch „Nationale Interessen“: „Die Politik des Westens nach dem Ende des Kalten Kriegs vor mehr als dreißig Jahren hat dazu geführt, dass … Russland …  an die Seite seines früher eher feindlichen Nachbarn China gedrängt wurde.“

Der Westen hat also Putin und Xi gegenseitig in die Arme getrieben, beklagt aber nun scheinheilig diese Männerfreundschaft der beiden Autokraten. Aber nun zieht einer der beiden Herrscher, Wladimir Putin, in einen völkerrechtswidrigen Krieg. Das kann und darf dem anderen, Xi Jinping, nicht gefallen. Denn China hat stets für eine Politik der Nicht-Einmischung plädiert, die Putin nun mit Füßen getreten hat. Und die Wirtschaftsmacht China ist im Gegensetz zu Russland an einer funktionierenden Globalisierung interessiert, die in einer drohenden bipolaren Welt – hier USA und EU, dort China und Russland – in Gefahr geraten könnte. Die große Frage lautet deshalb: Wird Xi weiterhin zu Putin halten? Es wäre eine historische Tat, wenn er diese Freundschaft zumindest ruhen ließe. Diese Tat müsste freilich vom Westen in irgendeiner Form belohnt werden. Schon einmal – just in diesen Tagen vor 50 Jahren – hat ein US-Präsident namens Nixon ein China hofiert, das sich gegen Russland gestellt hat. Ich gebe zu, die Wiederholung solcher Machtspiele ist ein kühner Gedanke, aber träumen darf man ja. Während ich das schreibe, lausche ich mit halbem Ohr der sonntäglichen Bundestagsdebatte. Und plötzlich bin ich ganz Ohr, denn ich höre den SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich fordern: „Präsident Xi, ändern Sie Ihren Kurs, stoppen Sie den Krieg Putins". Sag ich doch. 

 

Wolfgang Hirn

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