Newsletter Chinahirn - Ausgabe 47 / Juni 2022

Wolfgang Hirn skizze rund

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

als ich vor zwei, drei Jahren in Kreisen von Managern und Unternehmern orakelte, es werde bald eine Zeit kommen, in der sie sich wegen ihres China-Engagements der Öffentlichkeit gegenüber rechtfertigen müssten, wurde ich milde belächelt. Auf die Gefahr hin, der Besserwisserei (was ja ohnehin so eine Art chronische Berufskrankheit von Journalisten zu sein scheint) beschuldigt zu werden, muss ich leider sagen: Ich hatte Recht. Die Zeit ist gekommen. Die Unternehmen, die in China Geschäfte machen und das sind ja Tausende, sind unter öffentlichem, das heißt vor allem medialem und politischem Druck. Der Ukraine-Krieg hat diesen noch erhöht.

Viele Manager ducken sich weg und weichen der Diskussion aus. Nur wenige steigen in die öffentliche Bütt und stellen sich dem Kreuzfeuer. Der unverwüstliche VW-Chef Herbert Diess zum Beispiel redet und redet, neuerdings auch BASF-Boss Martin Brudermüller. Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller in ihrer charmant bestimmten Art sowieso. Auch die Audi-Vorständin Hildegard Wortmann hat kürzlich ein bemerkenswertes Plädoyer für den Technologie-Standort China gehalten – allerdings „nur“ auf Linkedin. Aber das ist zu wenig. Die Wirtschaft – und damit meine ich die Unternehmen, nicht die politisch lavierenden Verbände – muss erklären, warum sie weiterhin auf China setzt oder doch eventuell bereit ist, zu diversifizieren. Sie muss vor allem aufklären, welche Folgen ein Decoupling von China für ihre Unternehmen und deren Beschäftigte hierzulande haben könnte. Dies könnte zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen. Also: Frauen und Männer der Wirtschaft traut euch.

Wolfgang Hirn

Mehr News von CHINAHIRN

china hirnlogo