Newsletter Chinahirn - Ausgabe 28 / Juli 2021

Wolfgang Hirn skizze rund

Liebe Leserinnen, Liebe Leser

In diesen Tagen ist Afghanistan das große Aufreger-Thema. Neben der humanitären Katastrophe hat das Drama am Hindukusch auch eine geopolitische Dimension. Der Westen hat an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Das müssen auch Konservative und Transatlantiker zähneknirschend eingestehen. Hämisch kommentieren die Chinesen, dass auf die USA eben kein Verlass sei. Dieser Hinweis ist besonders an Taiwan gerichtet, das sich ja unter dem militärischen Schutzschirm der USA befindet. Die Regierungen in Taipeh und Washington beeilten sich, diese chinesischen Sprüche als Propaganda und Wunschdenken abzutun. Doch es bleibt die Frage, die Francis Fukuyama soeben im “The Economist” stellte: “A far greater test for American foreign policy than Afghanistan will be Taiwan, if it comes under direct Chinese attack. Will the United States be willing to sacrifice its sons and daughters on behalf of that island’s independence?” Um eine Antwort druckst der ansonsten meinungsstarke Fukuyama herum.

Klar ist: Das amerikanische Volk scheint kriegsmüde, Teile der politischen Elite aber offenbar nicht. Im aktuellen Magazin „The New Yorker“ erschreckte mich die Überschrift „Will the Next American War with China?“ Darin wird der Republikaner und Ex-Pentagon-Mitarbeiter Elbridge Colby (Enkel des ehemaligen CIA-Chefs William Colby) porträtiert, der offenbar die amerikanische Öffentlichkeit in seinem demnächst erscheinenden Buch „The Strategy of Denial“ auf einen militärischen Konflikt mit China wegen Taiwan vorbereitet. Ist das die Meinung einer republikanischen Minderheit? Und wie ticken die Demokraten? Bidens China- und Taiwanpolitik unterscheidet sich kaum von der Trumpschen. Biden agiert aber viel geschickter, bindet Verbündete mit ein. Siehe die Manöver, die gerade in diesem Monat im westlichen Pazifik stattgefunden haben. Und Biden vollzieht den „Pivot to Asia“, den sein Vorvorgänger Barack Obama ausrief, aber nur halbherzig verfolgte. Biden holt das nun nach: Abrüsten in Nahost, Aufrüsten in Fernost, wo er auf ein kämpferisches und selbstbewusstes China trifft. Der pazifische Ozean ist derzeit und wird wohl auch in den nächsten Jahren kein friedlicher sein. 

Wolfgang Hirn
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